Düsterkreuz

Zum Gedenken an den im Feuerwehrdienst verstorbenen Feuerwehrmann Heinrich Düster.

 

Zeitungsbericht vom 11. September 1911 Dürener Zeitung ( Abschrift )

Aus Stadt und Land

Düren, den 11. September 1911

Abermals Waldbrände

Ein Feuerwehrmann verbrannt !

 

duesterkreuz

Samstag Nachmittag brach in dem Jungholz der zwischen Nideggen und Rath gelegenen Waldung Feuer aus, das einen Teil derselben zerstörte. Ein bei den Löscharbeiten beschäftigter 24jähriger Mann aus Nideggen ist mit verbrannt. Unserer Nideggener Berichterstatter teilte uns über das Unglück, das im ganzen Kreise Düren herzliche Teilnahme hervorruft, aus Nideggen folgendes mit :

Nachdem am vorletzten Sonntag ein bedeutender Waldbrand unsere heimischen Wälder heimgesucht, entstand Samstag Nachmittag gegen 2 Uhr wiederum ein äußerst gefährliches Feuer. Für die Freiwillige. Feuerwehr Nideggen galt es diesmal, unseren nächsten und wertvollsten Waldbestand, das Jungholz zu retten, in welchem die hiesige Ortsgruppe des Eifelvereins mit so großen Reiten und Mühen Anlagen und Wege geschaffen, die schon in der kurzen zeit ihres Bestehens sehr beliebt geworden sind. Das Feuer hatte im Tale oberhalb der Mühle seinen Anfang genommen und verbreitete sich mit riesiger Schnelligkeit zu den Höhen hinauf. In wenigen Minuten befanden sich die Nideggener Freiwillige. Feuerwehr und ein großer teil der Bevölkerung oberhalb des Brandes, um demselben dort entgegen zu treten und ein übergreifen in den Tannenhochwald zu verhindern. Lange Zeit kämpfte man mit größter Anstrengung anscheinend mit Erfolg gegen das Feuer, so dass es vor allem in der Breite keine bedeutende Ausdehnung mehr gewann. Auf dem Wege des unteren Felsenrundganges hatte sich ein großer Teil der Wehr und der hiesigen Einwohner aufgestellt, und sie entfachten dort einen AnsturmTafel gegen das Feuer mit einem keine Hindernisse kennenden Heroismus, was eine fast völlige Bewältigung des Feuers zur folge hatte. Während dieses Kampfes gegen das eigentliche Feuer hatte sich etwas seitwärts ein kleines unmerkliches Flämmchen durchgebrannt. Im nächsten Augenblick schlugen hohe Flammen auf. Ein Windstoß folgte, und mit einem unbeschreiblichen Getöse wälzte sich das Feuer die Höhen hinauf, Erfasste den Tannenwald und stürmte in rasender Eile weiter bis zur Höhe in die nähe des Fahrweges. Dieses schreckliche Weiterlaufen des Feuers vom unteren Abhänge bis zur Höhe des Fahrweges, sein Brausen wurde in weiter Ferne gehört. Die Mannschaften hatten sich zur Seite geflüchtet und waren alle starr vor Schrecken, einige lagen besinnungslos am Wege. Es war, als wenn das grauenhafte Schauspiel auf alle lähmend eingewirkt hätte. Nachdem der Windstoß vorüber und das Feuer etwas ruhiger geworden , gelang es dasselbe in den hochstämmigen Tannen völlig zu bewältigen. Einige Feuerwehrleute die das Terrain des Brandes nunmehr absuchten, gewahrten in den rauchenden Abhänge oberhalb des unteren Felsenrundganges einen verbrannten menschlichen Körper. Schnell verbreitete sich die Schreckenskunde durch den Wald und die Mannschaften eilten in großer Bestürzung herbei. Einige wagten sich durch dennoch brennenden Boden an die Leiche heran, welche verkohlt und völlig unkenntlich war. Es wurden Nachforschungen nach Vermissten gehalten, wobei verschiedene Feuerwehrleute genannt wurden. Inzwischen war die Unglücksbotschaft auch in unser Städtchen getragen, und da der Verunglückte noch immer unerkannt war, entstand hier eine Panik , bei welcher manche Träne vergossen wurde, da die Vermutungen über die Person des Verunglückten mehrfach schwankten . Bei einer genauen Absuchung des Terrains in der Nähe der Leiche fand man eine Taschenuhr, in welcher der Name des Toten stand. Auch andere Gegenstände erwiesen nunmehr das der seiner freiwilligen übernommenen Pflicht erlegene der 24jährige Anstreichergehilfe Heinrich Düster, ein Mitglied der Nideggener Freiwillige. Feuerwehr war. Der Jammer der Familie ist um so größer, als erst vor etwa drei Monaten der Vater des Verbrannten gestorben ist. Man nimmt an, das der Feuerwehrmann von den gewaltigen Stichflammen überrascht wurde, durch die Hitze nicht mehr hindurchdringen konnte und erstickte; dann ergriffen die Flammen die Kleidung und den Körper des Verunglückten. Nachdem die Leiche von der Behörde freigegeben, wurde sie unter dem Geleite der Feuerwehrkameraden und der im Walde sich befindenden Bewohner von Nideggen in die elterliche Wohnung des Verunglückten gebracht. De Eindruck des Unglücks dueste2lagert schwer über der ganzen Bevölkerung. Gegen 4 Uhr erschienen der Vorsitzende und der Schriftführer des Kreisfeuerwehrverbandes ,die GG Branddirektor Dietler u. Oberbrandmeister Schever - Düren, sowie einige andere Dürener Herren auf der Brandstätte. Die beorderte und bereits marschfertige Dürener Wehr konnte im letzten Augenblick zurückbestellt werden. Auch Mannschaften der Feuerwehr Kreuzau erschienen gegen 4 Uhr, doch war um diese Zeit der Brand schon gelöscht. Allgemein wird die bewundernswerte Tapferkeit der Nideggener Wehr und ihres Brandmeisters Hrn. Matthias Müller gerühmt; ihrem heldenhaften Vorgehen ist die Rettung unseres schönen Naturgutes vor allem zu verdanken. Wie das Feuer entstanden, wird wohl nicht aufgeklärt werden können ; jedenfalls ist es eine erneute Mahnung an alle Waldbesucher, gerade im Wald und in der Nähe desselben doppelt vorsichtig zu sein, zumal in dieser Zeit der Trockenheit. Die Beerdigung des verunglückten Feuerwehrmannes wird morgen , Dienstag Vormittag 91/2 Uhr in Nideggen stattfinden. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes hat in einem Rundschreiben an die hiesigen angehörigen Wehren gebeten, dass jede Wehr bei der Beerdigung des Kameraden, der ein Opfer seiner Pflichterfüllung geworden und dessen Andenken immerdar in Ehren bleiben wird, vertreten sein möge. Noch heute, Montag morgen befindet sich eine Wache an der Brandstätte, da der Boden noch weiter glimmt. Gestern Sonntag Nachmittag kurz vor 3 Uhr entstand bei Mausauel an der Bahn ein Brand, der sich zu beiden Seiten der Bahnstrecke fortpflanzte, ein Schutzhauschen zerstörte und gewaltige Gluthitze hervorrief. Diese war so stark, dass die Insassen des Zuges Düren-Heimbach, der nach 3 Uhr die Brandstätte passierte, sich nicht aus den Fenstern hinauslegen konnten. Am Bahndamm lagernde Eisenbahnschwellen sind vollständig verkohlt. Die aus der Nähe herbeigeeilten Personen konnten den Brand in dem Gestrüpp und in den Stoppeln niederschlagen so dass die alarmierten Nideggener Wehrleute, für die auf das Brandsignal hin der nach Berg fahrende Autoomnibus reklamiert wurde, unterwegs zurückbestellt werden konnten. Noch am Abend glimmte es an der Brandstelle weiter, doch war die Gefahr beseitigt.